Spätnachmittag am Rhein ...
Wir gingen in offenen Sandalen
umspült von sanften Wellen des Flusses,
Und es war Sommer.
Und die kleinen Steine
waren rötlich und rund.
Wir warfen sie in den Fluss,
Die Stimmen klangen so hell,
so froh und gesund,
in uns war aller Lebensgenuss.
Dann saßen wir lang an der Böschung,
in der Nase des Flusses Geruch,
die Abendsonne im Rücken
und neben uns lag unbeachtet
noch völlig unberührt,
das gerade erstandene Buch.
FASZINATION!
Kann man vergessen solche Stunden,
wenn der Strom so gülden rot
vom Abendlichte beschienen?
Lebensschiff
Es ist auf hoher See
noch immer unterwegs.
Im Sturme hat es sich bewährt,
schlug gegen das Gestein....
blieb dabei nicht ganz unversehrt.
Es fährt
unter der Flagge des Glaubens
nun schon fast 80 Jahre lang.
Wird mir einmal wirklich bang,
denk ich auf meine Weise,
einst ist zu End die Reise
und freu mich auf das gute Ziel
Das Leben war gewiss nicht leicht,
doch habe ich das Ziel erreicht,
kann ich doch nur mich freuen,
wenn nichts ist zu bereuen.
Mach deine Fahrt, du kleines Schiff
zerschlage nicht an einem Riff.
Nimm Passagiere mit an Bord,
begrüße sie mit gutem Wort.
Bist dann vor Anker du gegangen,
hat deine Ruhe angefangen...
Doch nun zieh weiter deine Bahn,
du weißes Lebensboot
und träume deinen Wellenschlag.
Dann hat es keine Not...
Du alter Freund
Werde endlich glücklich!
Ohn' mich geht's besser wohl,
das muss ich wohl nun denken.
Nach mehr als siebzig Jahren
sag dir ein wehes - lebe wohl…
Ich weiß, keines von uns
wird je die frischen Fahrten
durch des jungen Frühlings Zeiten
wohl vergessen,
auch nicht die Sommerrosen,
auch nicht das Blüh'n der Herbstzeitlosen,
Schneeglöckchen werde ich alleine pflegen
und weiße Blumen nun im Licht kosen.
Du mein alter Freund
warst immer so gefangen.
Von einem Karo, einem Raume ohne Tür,
sprachst du zu mir.
So herzlich gern wollt' ich den Ausgang zeigen.
Doch Abgeschlossensein war deine Wahl.
Du nahmst die Blumen nicht,
die ich dir leise legte - an dein altes Fenster…
Wo bist du nur?
Ich sehe dich nicht mehr
und ahne dich nur schemenhaft.
Verteilst nur noch
ERLITTNE SCHULD,
siehst nie, dass selbst du stichst.
Dein Glück du selber brichst.
Du Kräutchen Ungeduld,
Bequemlichkeit macht sehr sich breit.
Sieh' deines Kindes Fülle !
Ihr schafftet es euch an,
zu kitten, den zerbrochnen Krug.
Es war ein Trug …
Wie kannst du nur so leben?
Verkriechst dich nun
in zugestellten Räumen,
begibst nur zu dem Hügel dich
wo ruht die alte Hülle noch,
um trauernd nachzuträumen
alle deiner Lieb' Versäumen.
Weine ruhig, alter Freund,
Lass deine Tränen fließen.
Es tut der Seele gut,
mag etwas dich verdrießen.
Trockne sie wieder ab
und füll den Wasserkrug,
hast du geweint genug.
Dann handelst du recht klug.
Das Leben ist kein Kinderspiel.
Wohl keiner kommt je an sein Ziel,
der Tränen nicht vergossen,
umsonst ist nichts geflossen.
Drum weine, alter Freund,
vielleicht ein Stern dir scheint,
wenn's nicht die Sonne ist
und Freude du vermisst.
Es wird dir neue werden!
©opyright Marianne Reepen
An Elisabeth...
Als kleines Kind fiel dir der Apfel hin.
Er rollte fort.
Ein andres hob ihn auf, verzehrte ihn.
Du bliebst in deiner Ecke hocken,
verhieltest schweigend dich.
Die Früchte, die das Leben schenkte,
immer hast
du sie genommen
und nicht mehr recht gepflegt,
und Gedanken,
die sich in dir bewegt,
nie sprachst du frei sie aus.
Die Trauben meiner Freundschaft,
du nahmst sie in des Frühlings Tagen,
und auch im Sommer doch,
nahmst gern den rauen Apfel noch
und in die alte Erde nicht,
gabst du des Fruchtes Kern.
Ich hoffte immer noch.
Doch nun rückst du so fern.
Du weißt, ich hab' dich gern,
doch ahn ich auch,
du findest alle Liebe -
nur weinend über Gräbern…
©opyright Marianne Reepen